Definition / Klinische Bestimmungen

Eine der größten Herausforderungen für Nephrologen, die Hämodialyse-patienten behandeln, ist es deren extrazelluläre Flüssigkeitsmenge (Ishibe & Peixto, 2004) zu bestimmen. Um diese Entscheidungen zu treffen, nutzen die meisten Nephrolologen das Konzept des “Trockengewichts“.

 

„Trockengewicht“ ist ein Begriff, der erhebliche Verwirrungen hervorruft. Üblicherweise wird es definiert als "das Gewicht am Ende einer Dialyse-behandlung, unterhalb dessen der Patient oftmals Hypotonie-Symptome entwickelt“. Obwohl Nephrologen den Begriff Trockengewicht täglich verwenden, um für eine individuelle Dialysebehandlung ein Ultra-filtrationsziel zu bestimmen, basiert dies anstatt auf definitiven Fakten in der Praxis auf einem systematischen Ausprobieren.

 

Bestimmung des klinischen Trockengewichts
Die Bestimmung des klinischen Trockengewichts basiert auf folgenden Faktoren:

  • Patientenanamnese
  • Symptome (insbesondere Atemnot)
  • Sichtbare - unsichtbare peripherer Ödeme
  • Erhöhter Blutdruck
  • Als auch klinische Untersuchung des Drucks der Vena jugularis, Thoraxaufnahmen oder Echokardiographie.

  

Diese komplexen Untersuchungen können zu einer erfolgreichen Bestimmung des Trockengewichts des Patienten führen.  

 

Folge einer unzureichenden Volumenkontrolle

Eine ungenaue Bestimmung des Trockengewichts führt zu grundlegenden Fehlern, wie beispielsweise, dass Patienten das Dialysezentrum (nach der Behandlung) in einem hypervolämischen oder hypovolämischen Zustand verlassen. Hypervolämische Patienten sind dem Risiko ausgesetzt, Bluthochdruck, linksventrikuläre Hypertrophie (LVH) und kongestive Herzinsuffizienz aufgrund des Volumens zu entwickeln. Andererseits können hypovolämische Patienten an Symptomen aufgrund von Volumenentzug und interdialytischer Hypotonie leiden. Aus diesem Grund sind präzisere und vernünftigere Messmethoden für den Flüssigkeitsüberschuss und die Körperzusammensetzung erforderlich, um das Trockengewicht des Patienten besser zu bestimmen.

 

Klinische Terminologie

Zweck dieses Abschnitts ist es, die subtilen Unterschiede zwischen klinischen Begriffen, die häufig verwendet werden, um Gewicht und Flüssigkeitsstatus eines Patienten zu beschreiben.



Unterschiedliche Gewichtsbegriffe, die in der Routinepraxis verwendet werden.

Different weight terms used in routine practice.

Pre dialysis wgt (75 kg) = Prädialysegew. (75 kg)

Post dialysis wgt (73.5 kg) = Postdialysegew. (73.5 kg)

Tolerated wgt (72.5 kg) = Zulässiges Gew. (72.5 kg)

Normohydration wgt. (71 kg) = Normohydrationsgew. (71 kg)              

Excess fluid = überschüssige Flüssigkeit

Clinical dry wgt = klinisches Trockengew.

Lean tissue = Muskelmasse (LTM)
Adiopose tissue = Körperfettmasse (ATM)



Prädialysegewicht
Das Prädialysegewicht (in diesem Beispiel 75 kg) ist eindeutig und stellt offensichtlich den Beginn der Behandlung dar.

Normohydrationsgewicht
Das Normohydrationsgewicht stellt das Gewicht dar, das erreicht werden würde, wenn der Patient eine normale Hydration des Körpergewebes hätte, wie sie bei Gesundheitskontrollen mit entsprechender Körper-zusammensetzung anzutreffen wäre. Es entspricht dem Gewicht, das man erhält, wenn keine überschüssige Flüssigkeit vorhanden ist. Normohydrationsgewicht ist eine Definition, die auf Gewebehydrations-eigenschaften basiert, die man aus wissenschaftlichen Analysen kennt. Sie ist synomym mit den klinische Begriffen der Normovolämie oder Euvolämie oder dem Begriff des extrazellulären Volumens. Es ist zu berücksichtigen, dass, obwohl das Normohydrationsgewicht ein mögliches Zielgewicht für einen Patienten darstellt, dies nicht unbedingt bedeutet, dass dieses Gewicht erreicht werden kann. Komorbidität und der Einsatz blutdrucksenkender Mittel sind Faktoren, die die Gefäss-Stabilität des Patienten während der Behandlung beeinflussen.

Zulässiges Gewicht
Relativ hohe Ultrafiltrationsraten können zu rezidivierenden intra-dialytischen Symptomen führen. Demzufolge kann der Patient nicht das Normohydrationsgewicht, sondern das zulässige Gewicht erreichen. Um das individuelle Trockengewicht eines Patienten zu erreichen, können längere Behandlungen und/oder geringere Ultrafiltrationsraten notwendig sein.

Postdialysegewicht
Das ist das Gewicht des Patienten nach der Behandlung.Das kann das Normohydrationsgewicht, das zulässige Gewicht oder das klinische Trockengewicht sein.